Zwei Erfolgsgeschichten des Flüchtlingsnetzwerks – Ankommen in der Aufnahmegesellschaft

Murtaza am Buffet

Zur Integration gehört neben dem Erlernen der Sprache auch das Aufnehmen einer Beschäftigung, sei es der Beginn einer Ausbildung oder die Ausübung eines bereist erlernten Berufes. Das Ilmenauer Flüchtlingsnetzwerk hat bereits viele Menschen auf ihrem Weg in den Beruf begleitet und stand bzw. steht beratend während des gesamten Prozesses den Menschen beiseite. Neben den vielen Menschen denen das Netzwerk geholfen hat, sollen zwei Menschen und ihr Weg näher vorgestellt werden.

Murtaza (24) aus Afghanistan ist seit 2015 in Deutschland und seit dieser Zeit auch im Ilm-Kreis beheimatet. Murtaza ist bereits seit September 2017 in einer Kochausbildung im Hotelpark Stadtbrauerei Arnstadt.
Er hat sich für die Ausbildung zum Koch entschieden, da er schon immer viel Spaß beim Zubereiten von Speisen hatte und bereits früher mit seiner Mutter am heimischen Herd gekocht und auch von ihr die wichtigsten Basics erlernte.
Die Ausbildung ist sehr umfangreich und geht im schulischen Bereich von Sozialkunde über Mathe bis hin zu Wirtschaft und Französisch. Neben Deutsch ist das Erlernen einer weiteren Fremdsprache ein schweres Unterfangen und stellt zu Teilen eine große Herausforderung dar.

„In Afghanistan habe ich bereits in vielen Bereichen gearbeitet unter anderem als stellvertretender Leiter im Import/Export einer Firma für Speiseöl sowie im Bauwesen.“
Murtaza hat sich unter Beratung mit MitarbeiterInnen des Netzwerks dazu entschieden eine Ausbildung als Koch zu beginnen. In seiner Ausbildung ist er viel in der kalten Küche beschäftigt und bereitet Salate und Käseplatten zu. Außerdem  ist er in der warmen Küche zu finden und bereitet unter anderem Schnitzel, Burger oder Pasta zu. Seit seiner Ausbildungszeit hat Murtaza auch die deutsche Küche kennen und lieben gelernt, vor allem die Thüringer Klöße haben es ihm angetan.

Zubereitete Käseplatte

„Die Ausbildung und die Arbeit als Koch macht mir sehr viel Spaß. Im Moment ist es mein Traum, in Frieden in Deutschland zu leben und meine Ausbildung zu beenden.“
Vor allem durch die Ausbildung hat sich Murtaza hier in Deutschland ein Leben aufbauen können und sieht seine Zukunft in Deutschland und vor allem im Ilm-Kreis. Wir freuen uns sehr das Murtaza die Möglichkeit gegeben wurde sich in Deutschland ein Leben aufzubauen und an der Gesellschaft teilhaben zu können.

 

Hind und ihr Sohn beim Schachspielen

Eine weitere Erfolgsgeschichte des Ilmenauer Netzwerks ist die der 36-jährigen Irakerin Hind.Hind ist Mathelehrerin und hat im Irak acht Jahre in einem Gymnasium gearbeitet und danach in der Universität Bagdad doziert. Seit circa zwei Jahren lebt sie mit ihren zwei Söhnen im Ilm-Kreis, ihr Mann lebt zurzeit noch im Irak.
Nachdem sich Hind und ihre Kinder in Deutschland eingewöhnten, erwachte in ihr der Wunsch wieder Mathe zu unterrichten. Mit einem einwöchigen Praktikum in der freien Reformschule Franz von Assisi in Ilmenau konnte sich Hind einen kleinen Einblick in den Schulablauf verschaffen. Auf der anderen Seite konnte sich die Assisi-Schule einen Eindruck von Hind machen. An vier Tagen schaute sie sich den Ablauf an und am letzten Tag durfte sie selber eine Unterrichtsstunde durchführen.
Im Praktikum hat Hind bereits Unterschiede zwischen dem Schulprozess der deutschen und der irakischen Schule festgestellt. Die deutschen Schüler sind im Vergleich viel selbstbestimmter. Zukünftig wird Hind SchülerInnen der siebten bis achten Klasse fünf Stunden in der Woche in Mathematik und Informatik unterrichten.
„Ich habe eine bisschen Respekt vor der Arbeit mit den Schülern, doch mit der fünf Stunden Stelle habe ich genügend Zeit meine Unterrichtsstunden vor- und nachzubereiten und noch einen C1 Sprachkurs zu machen.“
„Für die Zukunft wünsche ich mir für mich und meine Kinder ein ruhiges Leben und dass meine Kinder alle Chancen wahrnehmen können die ihnen geboten werden. Außerdem möchte ich gern in einer Vollzeitstelle als Lehrerin arbeiten. Zudem wünsche ich mir nichts sehnlicher als das mein Mann bald nach Deutschland kommen kann und somit unsere Familie wieder vollständig und alle in Sicherheit sind.“

Im Sinne einer Anerkennungsgesellschaft begrüßt das Ilmenauer Flüchtlingsnetzwerk sehr das Hind in ihrer erlernten Profession in Deutschland arbeiten kann und ihre vorhandenen Kompetenzen erkannt und anerkannt wurden.

Das Netzwerk wünscht sich zum einen das Menschen mit bereist vorhanden Kompetenzen einfacher in eine Beschäftigung gelangen und ihre Fähigkeiten anerkannt werden und zum anderen das Menschen, die einen nicht so hohen Bildungstand vorweisen können, die Chance ermöglicht wird einen höheren Bildungsstand zu erlangen und ihnen mit Rücksicht auf ihre Situation Zeit und Möglichkeit gegeben wird eine Ausbildung oder Beschäftigung aufzunehmen und sich somit eine Zukunft zu gestalten und an der Gesellschaft teil haben zu können. Das Ilmenauer Flüchtlingsnetzwerk versucht auch weiterhin die neuen Mitbürger_innen auf ihrem Weg in eine Beschäftigung tatkräftig zu unterstützen und sie auch über den Start der Ausbildung oder Beschäftigung langfristig zu begleiten und zu beraten.